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Heiliger Lutwinus

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Mettlach lädt zur Lutwinus-Wallfahrt ein

Wieder entdeckte spätgotische Lutwinus-Figur wurde eingesegnet

Von Dr. Andreas Weiner

Mit einem Pontifikalamt hat der Trierer Weihbischof und designierte Bischof von Essen, Dr. Felix Genn, am 29. Mai (Christi Himmelfahrt) die Wallfahrt zum Hl. Lutwinus in Mettlach eröffnet. Die Wallfahrt zum Grab bzw. den Reliquien des Heiligen, der Gründer des Klosters Mettlach, Erzbischof von Trier und nach seiner Vita auch Bischof von Laon und Reims war, ist seit dem 10. Jahrhundert belegt. Ziel der Pfarrgemeinde ist es, diese Wallfahrt, die über Jahrhunderte stattfand, wieder zu beleben. Als eine Fügung ist es daher anzusehen, dass zeitgleich mit dieser Absicht eine bedeutende spätgotische Steinfigur des Hl. Lutwinus wieder entdeckt wurde, die, als Gipsfigur des 19. Jhs. verkannt, viele Jahrzehnte auf dem Sakristeispeicher der Pfarrkirche in Mettlach stand.  Nach einhelliger Meinung der Fachleute gehört die Figur mit zu den bedeutendsten Kunstwerken im Saarland und in den Kirchen des Bistums Trier.

In der Pfarrgemeinde wurde allgemein davon ausgegangen, dass es sich bei der Heiligenfigur um einen Gipsabguss des 19. Jhs. handelte. Vor ihrer Aufstellung in der Pfarrkirche sollte diese fachgerecht restauriert werden und eine neue Farbfassung erhalten. Schon bei einer ersten Vorbesprechung anlässlich der Restaurierung der Figur wurde durch den Konservator i. K. Hans Berthold Busse (Amt für kirchliche Denkmalpflege, Bistum Trier) die Vermutung geäußert, dass es sich bei dieser Lutwinusfigur um eine spätgotische Steinfigur handeln könnte. In Absprache mit dem Amt für kirchliche Denkmalpflege und dem Staatlichen Konservatoramt Saarbrücken einigte man sich darauf, zunächst in der Restauratorenwerkstatt Mrziglod-Leiß in Tholey die jüngste Farbfassung der Figur abnehmen zu lassen, um die Orginalsubstanz besser von jüngeren Gipsergänzungen unterscheiden zu können und gleichzeitig eine Materialanalyse durch das Institut für Steinkonservierung in Mainz  in Auftrag zu geben. Diese Analyse ergab, dass die Figur tatsächlich aus einem sehr dichten, feinkörnigen Kalkstein besteht, der wahrscheinlich französischen Ursprungs ist. Dieser sehr leicht zu bearbeitende Stein erfreute sich im späten Mittelalter bei Bildhauern großer Beliebtheit.

Während der weiteren Untersuchungen in der Restaurierungswerkstatt wurde festgestellt, dass die Figur im Lauf ihrer Geschichte schwer beschädigt und ihr Kopf sogar abgetrennt worden war. Im 19. Jh. erfolgte dann eine erste umfassende Renovierung, wobei der Kopf mit deutlichem Abstand  zur ursprünglichen Bruchstelle und leicht gedreht wiederaufgesetzt wurde, was zusammen mit einer ersten Farbfassung den Gesamtcharakter der Figur deutlich veränderte, aber ganz offensichtlich mehr dem Geschmack des 19. Jhs. entsprach. Bei einer zweiten Renovierung gegen Ende des 19. Jhs. erhielt die Figur u.a. eine neue linke Hand aus Terracotta und eine weitere Farbfassung. Beide Renovierungen führten zu dem Eindruck, dass es sich um eine Gipsfigur des 19. Jhs. handeln müsse.

Nachdem die Restauratoren alle jüngeren Farbfassungen und Gipsergänzungen abgenommen hatten, offenbarte sich die Figur in ihrem ursprünglichen steinsichtigen Zustand und damit in ihrer ganzen Schönheit. Deutlich erkennbar waren jetzt die sorgfältig ausgearbeiteten Details, die Brokat und kostbare Stickereien nachahmenden, filigran ausgearbeiteten Muster auf der Kleidung des Erzbischofs, die mit einem Wappen geschmückte prachtvolle, in der Größe etwas überbetonte Chormantelschließe und die beiden Wappen von Reims und Laon zu Füßen des Erzbischofs sowie die auf dem Sockel erhaben aus dem Stein gearbeitete Inschrift S. Liuttwinus archiep(iscop)us.

Durch das Wappen auf der Chormantelschließe ist die Figur als Stiftung des Trierer Erzbischofs Johann II. von Baden (1456-1503) ausgewiesen. Eines der Hauptanliegen des Erzbischofs war die Reform der Klöster im Erzbistum, die im Fall von Mettlach mit Hilfe der Bursfelder Kongregation erreicht werden sollte. Vom Erzbischof scheinen dabei nicht nur wesentliche Impulse zur Erneuerung des geistlichen und geistigen Lebens, sondern auch zur Förderung der Kunst ausgegangen zu sein, was aber bisher wissenschaftlich nur unzureichend untersucht ist.    

Nach den erhaltenen Urkunden erlaubte Erzbischof Johann II. 1483 dem Mettlacher Reformabt Thilmann von Prüm (1479-1504) das Grab des Hl. Lutwinus zu öffnen. Wohl schon 1484 übertrug Thilmann dann die Reliquien des Hl. Lutwinus in die heute nicht mehr existierende Klosterkirche, die den Aposteln Petrus, Paulus und Andreas geweiht war. Er errichtete einen Altar zu Ehren des Heiligen, verfasste eine Grabinschrift und ließ die Kirche mit Szenen aus der Legende des Heiligen ausmalen. Im Skriptorium des Klosters wurden zugleich Abschriften der Vita des Heiligen und der Wundererzählungen (Miracula) angefertigt, von denen sich Exemplare an verschiedenen Orten in Bibliotheken erhalten haben. Alle diese Maßnahmen des Mettlacher Abtes standen in engem Zusammenhang mit einer Erneuerung des geistlichen Lebens, mit der Wiederbelebung und Förderung der Wallfahrt zum Grab des Hl. Lutwinus. Auch die Stiftung der Lutwinus-Figur durch den Trierer Erzbischof steht in diesem Zusammenhang.

Die kunsthistorische Einordnung der im Bistum Trier einzigartigen Figur bereitet noch Schwierigkeiten, lassen sich doch nur Einzelheiten mit gleichzeitig entstandenen Skulpturen vergleichen. Neben dem verwendeten Material Kalkstein deutet auch die erhabene Inschrift am Sockel, die nur auf ganz wenigen importierten Objekten im Bistum Trier zu beobachten ist, darauf hin, dass es sich auch bei der Figur des Hl. Lutwinus um einen Import handelt. Wie bekannt ist, hatte Erzbischof Johnann II. sein Grabmal, das sich im Trierer Dom befand und leider nur stark fragmentiert im Bischöflichen Dom und Diözesanmuseum in Trier erhalten ist, noch zu Lebzeiten von dem Bildhauer Nicolaus Myert in Utrecht anfertigen lassen. Neben den Niederlanden sind aber auch Kunstzentren in Belgien oder Frankreich als mögliche Entstehungsorte der Mettlacher Lutwinus-Figur in Erwägung zu ziehen.

Die nach der Restaurierung steinsichtig belassene Skulptur wurde in der Mettlacher Pfarrkirche St. Lutwinus aufgestellt und anläßlich des Eröffnungsgottesdienstes der Mettlacher Wallfahrtswoche am 29. Mai eingesegnet. Im 500. Todesjahr ihres Stifters Erzbischof Johann II.  kehrt die Lutwinusfigur damit in die unmittelbare Umgebung der Gebeine des Heiligen zurück, die in kostbaren Reliquiaren aus verschiedenen Jahrhunderten in der Pfarrkirche aufbewahrt werden und so von der Verehrung des Heiligen zeugen, die ganz offenbar auch Erzbischof Johann II. ein ganz besonderes Anliegen war.       

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Katholisches Lutwinuswerk Mettlach e.V.  | PfarramtMettlach@gmx.de